Geleitwort

Offen mit der eigenen psychischen Erkrankung unzugehen läßt auch heute noch Aufhorchen.

Vor Unwissen, Ängsten, Vorurteilen und Ideologien formte sich die sehr wechselvolle Geschichte der Psychiatrie. So gab es schließlich in den dunkelsten Zeiten neben ideologietreuen Mitläufern und Tätern auch Jene, die sich dem Zeitgeist ihrer Epoche nicht blind unterwarfen, sondern mutig und kraftvoll für die Interessen psychisch Benachteiligter gewirkt haben.

Wer verstehen will, warum eine psychische Krankheit die Betroffenen und ihre Angehörigen auch in heutiger Zeit vielfach stigmatisiert und in ihrer Identität tief verletzt, muss Geschichte und Gegenwart gleichermaßen kritisch hinterfragen. Das gilt erst recht, wenn man der Benachteiligung und Ausgrenzung wirksam entgegentreten will. Über den Weg der aktiven Auseinandersetzung kann es gelingen, abwertende Überzeugungen aufzubrechen und die moderne Psychiatrie frei von Sensationen und dumpfen Vorurteilen verstehbar zu machen. Aus dieser Überlegung heraus entstand die Idee, für die Bearbei ung der Psychiatrie in Geschichte und Gegenwart einen Förderverein zu gründen. Mitarbeiter, Freunde und Förderer des heutigen Fachkrankenhauses Uchtspringe haben sich zusammengefunden, um eine Brücke zwischen Fachwelt und Öffentlichkeit zu schlagen. Mit der vorliegenden Information wollen wir Sie für unser Anliegen gewinnen.

Ihr

MR Dr. Volkmar Lischka

Vorstandsvorsitzender
 

Warum ein Förderverein gegründet wurde

Sich für die Interessen und Bedürfnisse psychisch Kranker einzusetzen, ihnen Schutz und Hilfe für einen weitgehend selbstbestimmten Weg unter den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen zu geben, ist hier in der altmärkischen Region tief verwurzelt - besonders natürlich durch das Fachkrankenhaus Uchtspringe, wo seit 1894 psychisch Kranke behandelt werden. Schon deshalb bot sich an, die von einem kleinen Personenkreis geführten Initiativen für mehr Verständnis der Psychiatrie in Geschichte und Gegenwart zu stärken und durch die Gründung eines Fördervereins zu unterstützen.

Der Anspruch lautet, den Verein zu einen spannenden und wertorientierten Zentrum der Kommunikation für psychiatrisch interessierte Persönlichkeiten aus möglichst vielen gesellschaftlichen Bereichen zu entwickeln. Dabei ist es uns wichtig die Vergangenheit zu kennen, um sie als Schlüssel für Gegenwart und Zukunft nutzen zu können.
 

Das haben wir vor


Lust auf Erfahrung? Mitglied werden.

Vielleicht haben wir Sie neugierig gemacht und Ihre Lust auf Engagement in einem ebenso spannenden wie berührenden Lebensbereich geweckt. Dann sollten Sie uns näher kennen lernen und überlegen, ob Sie als Mitglied des Fördervereins sich selbst und unsere Arbeit bereichern wollen. Schließlich birgt die Auseinanderssetzung mit dem Anders-Sein auch für Sie die große Chance, abseits vom hektischen Alltag über Sinn und Unsinn gesellschaftlich bestimmter Wertorientierungen nachzudenken und darüber mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Der Förderverein ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig, verfolgt ausschließlich gemeinnnützige Zwecke. Es ist jeder willkommen, dem die Bedürfnisse und Interessen psychisch beeinträchtigter Menschen am Herzen liegen, der das Verständnis der Psychiatrie fördern und zur Aufarbeitung ihrer Geschichte beitragen möchte.

Unser Verein steht unter der Schirmherrschaft des Aufsichtsratsvorsitzenden der SALUS gGmbH, Herrn Staatssekretär Prof. Dr. Dieter Schimanke, die dem Förderverein in besonderer Weise verbunden ist und seine Aktivitäten unterstützt.

Die Arbeit des Vereins wird ehrenamtlich geleistet und erfolgt in enger Kooperation mit dem Sigmund-Freud-Zentrum des Fachkrankenhauses Uchtspringe. Der Mindestmitgliedsbeitrag liegt bei jährlich 120DM, wobei darüber hinausgehende Zuwendungen oder andere Spenden willkommen sind.

Die Vereinssatzung senden wir gern zu. Noch lieber kommen wir mit Ihnen persönlich ins Gespräch. „In diesen 100 Jahren haben die gesellschaftlichen und politischen Zustände fünf Mal gewechselt. Die Kaiserzeit mit dem 1. Weltkrieg, die Weimarer Republik mit Inflation und wirtschaftlichem Niedergang, die Nazidiktatur mit Menschenverachtung, 2. Weltkrieg und Vernichtung auch der für lebens-unwert erachteten psychiatrischen Patienten, der Wiederaufbau im geteilten und verengten Land unter ganz verschiedenen Bedingungen in beiden Teilen und schließlich die Übertragung des Gesundheits-systems der alten Bundesrepublik auf die  angeschlossene DDR ...."

Prof. Dr. Harro Wendt
(Direktor in Uchtspringe von 1961 bis 1986)
in „Gedanken zu 100 Jahre Uchtspringe"

In Widersprüchlichkeiten und Diskontinuitäten auch Entwicklungen zu erkennen, und diese zu thematisieren ist eine der Ziele unseres Vereins.Förderverein Psychiatrie in Geschichte und Gegenwart e.V.

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Den griechischen Buchstaben y verwendeten seit Ende des 19. Jahrhunderts viele Psychiater, Psychologen und Psychoanalytiker in ihrer Korrespondenz zur Abkürzung für »Psyche«.