Einweihung des Euthanasie-Mahnmals am 15.9.2004
 

MR Dr. med. Volkmar Lischka und Landtagspräsident Prof. Adolf Spotka

Im SALUS-Fachkrankenhaus Uchtspringe wurde am 15. September 2004 ein Gedenkstein für die Opfer der NS-„Euthanasie“ enthüllt. Er trägt die in Bronze gegossene Inschrift „Den Frauen, Männern und Kindern, die während des Nationalsozialismus in der Landesheilanstalt Uchtspringe gedemütigt, getötet oder von hier in den Tod geschickt wurden.“ Damit wird der kranken und behinderten Menschen gedacht, die zwangsterilisiert, mittels medikamentöser Überdosierung ermordet oder von Uchtspringe aus in die Gaskammern nach Brandenburg und Bernburg transportiert wurden.

Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Prof. Dr. Adolf Spotka gab vor den rund 200 Teilnehmern der Veranstaltung zu bedenken, dass es vielleicht niemals eine angemessene Erklärung für das geben könne, was sich in den Jahren der nationalsozialistischen Barbarei ereignet hat. Aus der Erkenntnis, dass die Verbrechen im Bereich menschlicher Möglichkei-ten lagen, leite sich jedoch ein unbedingter moralischer Handlungsimperativ ab: „Der Diskurs über die Verbrechen des Nationalsozialismus ist unvermeidbar. Es gilt, seine Lehren, wo immer es angebracht ist, auf unser Verständnis der Vergangenheit und der Gegenwart sowie auf die Gestaltung der Zukunft anzuwenden“, mahnte Spotka. Der Landtagspräsident begrüßte, dass in Uchtspringe jetzt ein Gedenkstein an die Opfer der nationalsozialistischen Barbarei erinnert und ihr Andenken ehrt. „Wir können zwar das einmal begangene Unrecht nicht mehr ungeschehen machen. Indem wir der nationalsozialistischen Opfer gedenken, geben wir ihnen aber wenigstens postum ihre Würde, die ihnen die Nazis auf das Schändlichste genommen hatten, zurück“, so der Landtagspräsident. „Dies ist nicht zuletzt auch ein Appell gegen das Vergessen und eine Aufforderung, unsere Stimme laut zu erheben, wo immer Unrecht geschieht, und ich hoffe sehr, dass dieser ethische Imperativ möglichst viele Menschen erreicht.“ Der Ärztliche Direktor des Fachkrankenhauses Uchtspringe, MR Dr. Volkmar Lischka erklärte: „Der Gedenkstein ist unser Bekenntnis, nicht zu verdrängen, sondern die Augen bewusst auf die Schuld der hier tätig gewesenen Psychiater und ihrer Helfer zu richten. Vorausgegangen ist ein tiefes Nachdenken darüber, in welcher Form wir eine würdige Erinnerungskultur für dieses unermessliche Unrechtsgeschehen entwickeln, leben, aber eben auch ertragen können. Die Grundfesten ärztlicher Ethik wurden in grausamer und zynischer Weise pervertiert, so dass man sich am liebsten nur erschüttert abwenden und distanzieren will. Das ist aber keine Lösung. Die Opfer und ihre Angehörigen haben ein Recht darauf, dass wir, soweit es mög-lich es, weiter zur schonungslosen Aufklärung der Geschehnisse beitragen und ihr Andenken ehren. Diese Verantwortung für die Vergangenheit lässt sich nicht delegieren. Auch daran wird der Gedenkstein uns und die nachfolgenden Generationen unserer Berufsgruppe stets erinnern.“ Zwischen 1934 und 1941 sind in der damaligen Landesheilanstalt Uchtspringe 765 Patienten zwangssterilisiert worden. Etwa 500 Menschen, die meisten von ihnen Kinder, wurden in den Jahren 1940 bis 1945 unter dem schönfärberischen Deckmantel der „Euthanasie“ durch medi-kamentöse Überdosierung ermordet. Außerdem diente Uchtspringe der „Aktion T 4“ – so genannt nach der Zentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4 - als Zwischenanstalt. Insgesamt wurden von hier aus 1787 Menschen in die Gaskammern nach Brandenburg und Bernburg transportiert. „Aber was sagen schon Statistiken aus? Sie verdecken die eigentliche Tragödie mehr, als dass sie sie enthüllen. Menschen wurden gepeinigt und ermordet, nicht Statistiken. Hinter den Zahlen verbergen sich individuelle Schicksale, deren Tragik wir kaum ermessen können“, so Landtagspräsident Prof. Dr. Spotka, der in seiner heutigen Rede auch an das Schicksal des ehemaligen Direktors der Anstalt Uchtspringe, Dr. Heinrich Bernhard, erinner-te, der nach Auschwitz deportiert und dort vergast wurde.

 

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